Bibel lesen

Bibeln (c) Jürgen Lenzen

Im Internet finden Sie eine Vielzahl von deutschsprachigen Bibelausgaben online. Hier eine Auswahl:

Wissenswertes zur Bibel finden Sie hier:

 

Linkliste für die Bibelarbeit

 

Link zum Bibeltext

https://www.bibleserver.com/bible/EU (Einheitsübersetzung 2016, auch andere Übersetzungen vorhanden)

 

Linkliste mit frei zugänglichen qualitativ guten bibeltheologischen Erläuterungen und Kommentaren zu allen biblischen Büchern

 

Materialpool des Kath. Bibelwerks:

https://www.bibelwerk.de/verein/was-wir-bieten/materialpool/

https://www.bibelwerk.de/verein/was-wir-bieten/materialpool/biblische-buecher

bibelwissenschaft.de, darin besonders:

https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/thematisches-verzeichnis/ (auch Kurzkommentare biblischer und deuterokanonischer Bücher)

https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/ (andere Kurzkommentare biblischer Bücher u.a.)

https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel/

https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkommentar/beitraege-im-obk/

 

Linkliste mit frei zugänglichen qualitativ guten bibeltheologischen Erläuterungen und Kommentaren zu ausgewählten Texten der Bibel

 

Reise durch die Bibel:

https://www.erzbistum-muenchen.de/theologische-bildung/reise-durch-die-bibel

Bibel in gerechter Sprache, mit vielen anregenden Bibelarbeiten:

https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/zum-herunterladen/

Wissenschaftlich aktuelle Auslegungen der katholischen Sonn- und Feiertagslesungen aus AT und NT:

https://www.bibelwerk.de/verein/was-wir-bieten/sonntagslesungen/alle-sonntagslesungen

«Mit Israel lesen – Mit der Kirche lesen» - Auslegungen aus jüdischer und christlicher Perspektive vom Schweizerischen Katholischen Bibelwerk:

https://wp.bibelwerk.ch/alle-lesungen-in-der-uebersicht/ (darin die Lesungen in den Abschnitten „Mit Israel gelesen“. Es sind darin nicht alle Lesungstexte enthalten, aber die vorhandenen sind meistens sehr interessante und hochwertige Auslegungen.)

Wortschatz-Bibel:

https://library-publishing.uni-graz.at/index.php/lp/catalog/series/WortschatzBibel

Thomas Södings Vorlesungsskripte und einige Aufsätze zum NT insgesamt und zu den meisten neutestamentlichen Schriften  (wissenschaftlich aktuelle Exegese in verständlicher Sprache): http://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/nt/lehre/download.html.de (unter „Downloads“ auf „Vorlesungsskripte“ oder „Welt der Bibel“ klicken)

Johanneskommentar von Ludger Schenke (2014) – ganzes Buch zum kostenlosen Download: https://openscience.ub.uni-mainz.de/handle/20.500.12030/683 (auf „Öffnen/Anzeigen“ klicken)

 

Bemerkungen zur Linkliste

Die Linkliste ist mir ein Hilfsmittel, um ohne großen Aufwand theologisch fundierte und zeitgemäße Bibelauslegungen zu finden, die im Internet frei zugänglich sind. Dabei beschränke ich mich auf (meines Erachtens) wissenschaftlich seriöse katholische, evangelische und jüdisch-christliche Quellen. Fundamentalistische und freikirchliche Quellen übergehe ich in der Regel. Ich halte mich hier an die Standards einer seriösen Bibelauslegung, die uns in die Lage versetzen, den biblischen Texten wirklich gerecht zu werden – und sie nicht wie einen Steinbruch zu benutzen, um vorgefasste Meinungen mit einem passenden Zitat zu bestätigen. Diese Standards sind gut zusammengefasst im Dokument der Päpstlichen Bibelkommission „Die Interpretation der Bibel in der Kirche“ von 1993, in dem es heißt:

Die Bibel gibt sich ja in der Tat nicht als unmittelbare Offenbarung zeitloser Wahrheiten zu erkennen, sondern vielmehr als das schriftliche Zeugnis von Gottes wiederholtem Eingreifen in der menschlichen Geschichte, durch das er sich offenbart … Dies ist der Grund, dass die biblischen Schriften ohne Untersuchung ihrer geschichtlichen Entstehung nicht korrekt verstanden werden können. Die „diachrone“ Forschung wird für die Exegese immer unerlässlich sein. Die „synchronen“ Zugänge, so nützlich sie sind, können sie niemals ersetzen. Um auf eine fruchtbare Weise arbeiten zu können, müssen sie zunächst die Ergebnisse der historisch-kritischen Methode, wenigstens in den Hauptlinien, übernehmen. Unter dieser Bedingung vermögen die synchronen Zugänge (rhetorische, narrative, semiotische und andere Methoden) zur Erneuerung der Exegese beizutragen und die exegetischen Einsichten und Erkenntnisse zu erweitern. (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 115, Päpstliche Bibelkommission, Die Interpretation der Bibel in der Kirche, S. 114 f.)

Damit werden neben der historisch-kritischen Methode auch andere (zusätzliche) Methoden anerkannt, wenn sie wissenschaftlich fundiert sind. Explizit zählen dazu auch feministische und befreiungstheologische Ansätze. Fundamentalistische und oft auch freikirchliche Interpretationen sind dagegen ungeeignet und führen auf Irrwege, sie entsprechen nicht den oben genannten Standards. Es gibt genug seriöse katholische, evangelische und jüdisch-christliche Auslegungen unterschiedlicher Richtungen.

Die Unterschiedlichkeit der Bibelauslegungen hat also ihre Berechtigung. Ebenso ist uns ja die Vielstimmigkeit und manchmal gar Widersprüchlichkeit der biblischen Texte vorgegeben. Hierzu sagt der Text „Heute auf Gottes Wort hören“ der zweiten Synodalversammlung 2021 des Synodalen Wegs:

(21) Die Bibel zeigt auf vielerlei Weise die Einheit des Glaubens an, ohne die es keine Vielfalt, und die Vielfalt des Glaubens, ohne die es keine Einheit gibt (Römerbrief 12,1-8). Der Kanon versammelt eine Fülle von Stimmen, die in verschiedenen Sprachen, mit unterschiedlichen Tönen und in weitreichenden Zukunftsvisionen der Suche nach Gott Ausdruck verleihen, der Freude an Gott, dem Fragen nach Gott, aber auch dem Zweifel an Gott, dem Hadern mit Gott und immer wieder dem Staunen über Gott. Insbesondere die vier Evangelien sind Ausdruck der einen Botschaft in Vielfalt und der Tatsache, dass es verschiedene Blickwinkel braucht, um das Ganze der Botschaft zu erfassen – auch wenn das manchmal zu dem Eindruck von widersprüchlichen Aussagen führt. In der Vielseitigkeit der Texte entsteht ein starker Chor, der in allen Höhen und Tiefen die Melodie des Evangeliums singt: mit all den Harmonien und Dissonanzen, die „vom Anfang bis zum Ende aller Zeiten“ (1. Chronik 16,36) zum Leben der Menschen gehören, in der Grundstimmung der „Hoffnung“, die Gott selbst schenkt, „dass er uns wieder auferweckt“ (2. Makkabäer 7,14). (Im Internet zu finden unter: https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/2.0_SV-II-Praesidium-Orientierungstext-Lesung1.pdf.)

Ein besonderer, sehr bereichernder und wichtiger Ansatzpunkt ist die Auslegung des Alten Testaments aus jüdischer und christlicher Perspektive. Sie wird von der päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum mit Recht sehr empfohlen: 

Die Konzilserklärung Nostra aetate (Nr. 4) spricht vom reichen geistlichen Erbe, das Schritt für Schritt immer mehr durch biblische und theologische Studien und den Dialog entdeckt werden soll. Insofern ist aus christlicher Perspektive ein wichtiges Ziel die Hebung der geistlichen Schätze, die für Christen im Judentum verborgen sind. In dieser Hinsicht muss vor allem die Interpretation der Heiligen Schriften genannt werden. Im Vorwort von Kardinal Joseph Ratzinger des Dokuments der Päpstlichen Bibelkommission von 2001 „Das jüdische Volk und seine Heiligen Schrift in der christlichen Bibel“ wird der Respekt der Christen für die jüdische Auslegung des Alten Testaments hervorgehoben. Es hebt hervor, „dass die Christen viel lernen können von der 2000 Jahre hindurch praktizierten jüdischen Exegese; umgekehrt können die Christen hoffen, dass die Juden aus den Forschungen christlicher Exegese Nutzen ziehen können“. (Verlautbarungen des apostolischen Stuhls Nr. 203 „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt“, 2015, Nr. 44)

In frei zugänglicher digitaler Form fand ich Auslegungen aus jüdischer und christlicher Perspektive leider bisher nur auf der Webseite des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks (siehe in der Linkliste, Näheres siehe https://www.bibelwerk.ch/d/wirBringenDieBibelInsGespraech/m68400). Dort findet man übrigens nicht nur Auslegungen alttestamentlicher Texte, sondern auch Auslegungen der Sonntagsevangelien, die zunächst als jüdische Texte gelesen werden, erst in einem zweiten Schritt wird eine christliche Perspektive eingenommen.

Ein besonderes Augenmerk auf Gerechtigkeit gegenüber der jüdischen Herkunft der Bibel legen außerdem die Auslegungen auf der Webseite der Bibel in gerechter Sprache.

 

Wie setze ich das Ganze in die Praxis um, z. B. im Bibelkreis? Hier die Kurzfassung: Zuerst lese ich natürlich den Bibeltext selbst und notiere meine eigenen Gedanken dazu. Ich lese auch das, was vor und nach dem Text in der Bibel steht. Ich suche dann drei oder vier Auslegungen (ich nehme schon auch "echte" Bücher dazu, es geht aber auch ohne), lese sie und versehe sie mit meinen Notizen: was kann ich nachvollziehen, was sehe ich anders etc.. Anschließend wähle ich zwei bis drei Auslegungen aus (notfalls auch nur eine), mit denen ich mich selbst identifizieren kann oder die ich interessant oder kontrovers finde. Diese kürze ich auf ihre zentralen Aussagen, damit sie leichter verdaulich sind. Dann erstelle ich aus dem Bibeltext und diesen Auslegungen ein Arbeitsblatt, in das ich noch ein bis drei Fragen oder Gesprächsanstöße einfüge. Das Ganze passt meistens auf ein doppelseitiges DIN A4-Blatt, das ich den Teilnehmer*innen in die Hand gebe. Die Treffen dauern jeweils eineinhalb Stunden; dafür ist das Material normalerweise ausreichend, manchmal sogar zu viel. Wir lesen zuerst den Bibeltext, sammeln spontane Reaktionen und unterhalten uns über diese. Dann lesen wir die Auslegungen, nach jeder Auslegung tauschen wir uns aus. Es werden auch manchmal Fragen gezielt an mich als Theologen gestellt - ich versuche, sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Zumeist entstehen sehr angeregte Gespräche, in denen es immer wieder auch um Lebens- und Glaubenserfahrungen der Teilnehmer*innen geht, es ist manchmal tiefgehend und berührend. Die Treffen werden eingerahmt von einem gemeinsam gesungenen passenden Lied zu Beginn (in Coronazeiten gesprochen statt gesungen) und einem gemeinsam gesprochenen Gebet/Psalm/Meditationstext am Schluss.

Ich nutze also die Vielfalt der Bibelauslegungen für Bibelkreise und andere bibelpastorale Angebote für Erwachsene. Ich mache gute Erfahrungen damit, den Teilnehmer*innen neben dem Bibeltext auch Beispiele verschiedener Auslegungen an die Hand zu geben und darüber in ein Glaubensgespräch zu kommen. Wenn dann die Teilnehmer*innen sich gegenseitig erzählen, was diese Auslegungen ihnen persönlich bedeuten, entsteht ein tieferes Verständnis des Bibeltextes. Gleichzeitig entsteht eine Verbindung zwischen dem Bibeltext und dem eigenen Leben der Teilnehmer*innen (zu denen auch ich gehöre). Wir erleben die Vielfalt des Glaubens und zugleich die Einheit des Glaubens. Wir lernen vom Bibeltext, von den verschiedenen Auslegungen und voneinander – und zwar für unser Leben.

 

Nachbemerkung: Natürlich ist es auch sehr hilfreich, außer diesen im Netz frei verfügbaren Texten noch andere, „analoge“ wissenschaftliche Literatur zu verwenden. Was mir zur Zeit am besten gefällt, ist die dreibändige „Kommentierte Studienausgabe“ der katholischen Einheitsübersetzung vom Katholischen Bibelwerk Stuttgart, auch bekannt als "Stuttgarter Altes und Neues Testament", Auflage 2017/2018. Sie bietet kurzgefasste Kommentare aller Bibeltexte auf aktuellem wissenschaftlichen Stand. Leider gibt es davon (noch?) keine Digitalversion. Sehr hilfreich ist auch die Bibelsoftware „Logos“, von der es eine kostenlose Version gibt (https://de.logos.com/basic). Die bereits im Programm enthaltenen Bibelübersetzungen und Kommentare der kostenlosen Version haben allerdings eine ausgeprägte amerikanisch-freikirchliche Schlagseite oder sind alt und wissenschaftlich überholt. Wenn man aber ein paar Euro investiert, bekommt man dort auch die neue Einheitsübersetzung (nur Bibeltext) und die Stuttgarter Erklärungsbibel (basiert auf der Lutherbibel und bietet seriöse Kurzkommentare aller Bibeltexte, ist schon einige Jahre alt, aber noch einigermaßen auf dem Stand der Wissenschaft). Mit diesen beiden Büchern und den sehr guten technischen Möglichkeiten der Logos-Software kann man schon einiges machen.

Bernhard Beyer-Rüdiger, Pastoralreferent, Pfarrgemeinde St. Katharina in Willich / GdG Willich